Verkehrsunfall

Warum zum Anwalt?

Das Kostenrisiko

Der Fahrzeugschaden

Mietwagenkosten oder Nutzungsausfall

Sachverständigenkosten

Beschädigte Kleidung/ sonstige Gegenstände

Finanzierungskosten

Der Personenschaden

Fragebogen für Anspruchsteller


Warum zum Anwalt?

Der Verkehrsunfall hat sowohl für den Geschädigten als auch für den Schädiger weitreichende Konsequenzen,  die zivil-, straf-, als auch sozial-  oder verwaltungsrechtlicher Natur sein können.

Das Zivilrecht befaßt sich mit dem Schadensersatz.

Das Straf-und Ordnungswidrigkeitenrecht sanktioniert bekanntermaßen die begangenen Verkehrsverstösse.

Wiedererteilung von Fahrerlaubnissen und ähnliche Maßnahmen regelt das Verwaltungsrecht.

Ansprüche auf gesetzliche Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsrente und weitere Sozialleistungen
regelt das Sozialrecht.

Ein Verkehrsunfall kann Auswirkungen auf sämtliche aufgezählten Rechtsgebiete haben, die in
weiten Teilen ineinandergreifen.

Jeder kann sich eine ungefähre Vorstellung davon machen, wieviele private und öffentliche 
Stellen miteinbezogen sein können. Die Folgen und Möglichkeiten im Rahmen der Schadensbeseitigung stellen den Betroffenen oftmals vor eine Vielzahl von Problemen, mit denen er sich aus Zeitgründen nicht befassen will und mangels Sachkenntnis oft auch nicht kann.

Dies ist die Dienstleistung des Rechtsanwaltes, der sich schwerpunktmäßig mit diesem Bereich befaßt.

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Das Kostenrisiko 

Viele scheuen aus Kostengründen den Weg zum Anwalt obwohl sie diese oftmals nicht befürchten müssen.

(1) Anwaltskosten als Teil des Schadensersatzes

Zum einen ist darauf hinzuweisen, daß auch notwendige Anwaltskosten ein Teil des Schadensersatzes sind, die der Schädiger auszugleichen hat. Da der Unfallgegner in aller Regel haftpflichtversichert ist und damit ein solventer Schuldner besteht, trägt der Geschädigte auch nicht das Beitreibungsrisiko eines normalen Gläubigers.

Lediglich bei einfachen Bagatellschäden wird es dem Geschädigten zugemutet, die Abwicklung selbst durchzuführen, sofern auch die Art der Regulierung nicht im Streit steht.

(2) Verkehrsrechtsschutz

Zum anderen besitzen viele Fahrer zwischenzeitlich einen Verkehrsrechtsschutz, der in den meisten Fällen eine ausreichende Absicherung bietet. Eine solche Rechtsschutzversicherung bietet heutzutage jede namhafte Versicherung an.
Folgende Leistungen sind in der Regel umfaßt:

-außergerichtliche und gerichtliche Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen
-die Interessenwahrnehmung bei Bußgeldsachen
-die Interessenwahrnehmung in Strafsachen, sofern keine Verurteilung wegen einer Vorsatztat erfolgt.
Folglich sind Fahrlässigkeitsdelikte vom Versicherungsschutz umfaßt (z.B. fahrlässige Körperverletzung)
-die gerichtliche Vertretung im Verwaltungsrechtstreit

In allen Fällen wird der Bezug zum gegenüber der Versicherung gemeldeten Fahrzeug vorausgesetzt.

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Der Fahrzeugschaden

Geltend gemacht werden können die Kosten der Reparatur in einer Fachwerkstatt, außer...

...eine Reparatur ist nicht mehr möglich (technischer Totalschaden) oder
...wirtschaftlich nicht vertretbar (wirtschaftlicher Totalschaden).

Ihr mögliches Interesse, gerade dieses Fahrzeug zu erhalten, wird von der Rechtssprechung dergestalt berücksichtigt, daß eine erst dann wirtschaftlich nicht mehr vertretbar ist, wenn die Kosten 130% des Wiederbeschaffungswertes überschreiten.

Eine fiktive Abrechnung ist in diesem Bereich jedoch nicht möglich. Übersteigen die Kosten einer Reperatur den Wiederbeschaffungswert, muß eine fachgerechte Reparatur nachgewiesen werden.

Im Falle eines Totalschadens wird der am örtlichen Markt erforderliche Wiederbeschaffungswert bestimmt.

Ein möglicher Restwert des Unfallfahrzeugs wird hiervon abgezogen. In der Regel wird bei der Bewertung dieses Restwertes vom Sachverständigen ein konkretes Kaufangebot eines Händlers zugrunde gelegt.

Überschreiten die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert nicht, obliegt es allein ihrer Entscheidung, ob Sie die Reperatur tatsächlich durchführen lassen oder nicht. Letzterenfalls erhalten Sie die hierfür notwendigen Kosten "fiktiv" auf der Basis des eingeholten Gutachtens. Ebenso erhalten Sie Wiederbeschaffungskosten, ohne den Nachweis erbringen zu müssen, daß eine Ersatzfahrzeug angeschafft wurde.

Bisweilen verbleibt trotz fachgerechter Reparatur ein Schaden am Fahrzeug. Auch allein die Tatsache, daß das Fahrzeug jetzt nicht mehr "unfallfrei" ist, kann bei einem Verkauf den Preis drücken. Bei Fahrzeugen bis zu 5 Jahren wird dem Geschädigten ggf. auch eine Wertminderung ersetzt.

Bei älteren Fahrzeugen kann eine Reparatur unter umständen auch zu Werterhöhungen führen (z.B. durch Anbringung von Neuteilen), was ggf. durch einen Abzug „neu für alt" ausgeglichen wird.

Bei Neufahrzeugen spricht man oft von einem unechten Totalschaden. Fahrzeuge, die nicht älter als einen Monat sind und eine Fahrleistung von nicht mehr als 1000 km (bei besonders schwerwiegenden Schäden bis 300 km) aufweisen braucht der Geschädigte nicht reparieren zu lassen, sondern hat Anspruch auf die Bereitstellung eines entsprechenden Neufahrzeuges.

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Mietwagenkosten oder Nutzungsausfall

(1) Nutzungswille

Sowohl die Möglichkeit der Inanspruchnahme eines Mietwagens wie auch die Geltendmachung eines Ersatzes für die fehlende Nutzungsmöglichkeit des beschädigten Fahrzeuges setzen voraus, daß...
...das Fahrzeug nicht mehr fahrbereit und verkehrssicher ist und
...überhaupt ein Nutzungswille vorhanden ist.

Letzteres bedeutet, daß diese Position nicht geltend gemacht werden können, wenn...
..."fiktiv" abgerechnet wird, also kein Nachweis über eine erfolgte Reparatur oder Wiederbeschaffung vorgelegt wird,
...das Fahrzeug in letzter Zeit überhaupt nicht benutzt wurde (Motorrad oder Cabrio mit Saisonkennzeichen, Wohnmobil) oder
... ein Zweitfahrzeug vorhanden ist, das vom Geschädigten ohne Probleme genutzt werden kann. Dies ist regelmäßig jedoch nicht der Fall, wenn das Zweitfahrzeug anderen zur Benutzung überlassen ist (z.B. Ehegatte).

(2) Dauer

Der ersetzbare Zeitraum ergibt sich zum einen aus dem eingeholten Gutachten oder aus der Rechnung der Werkstatt,  die üblicherweise sowohl den Annahme-, als auch den Abholtag vermerken. Verzögerungen bei der Reparatur durch die Werkstatt und dadurch bedingte Abweichungen vom Gutachten gehen zu Lasten des Schädigers!

Hinzu  kommt der Zeitraum , bis Ihnen das Gutachten überhaupt vorliegt (Schadensermittlungszeitraum) sowie ggf. eine Überlegungsfrist, wenn nach dem Gutachten entweder eine Reparatur oder eine Wiederbeschaffung in Betracht kommt (siehe oben: 130% Regelung). Im letzteren Fall werden von der Rechtsprechung ca. 7 Tage zugebilligt.

(3) Wahlrecht / Höhe

Grundsätzlich haben Sie das Wahlrecht, ob Sie einen Mietwagen in Anspruch nehmen oder Nutzungsausfall geltend machen.

Bei Inanspruchnahme eines Mietwagens ist folgendes zu beachten :

(a) Der Grundsatz der Schadensminderungspflicht gebietet, daß sich die Kosten im Rahmen des üblichen bewegen müssen. Sie sind zwar nicht verpflichtet, Marktforschung zu betreiben, zur eigenen Sicherheit sollten jedoch zwei oder drei Vergleichsangebote eingeholt werden.

(b) Bei längeren Zeiträumen (ab 14 Tagen) oder voraussichtlich hoher Kilometerleistung (Urlaubsreise) kann es unter Umständen kostengünstiger sein, ein Interimsfahrzeug anzuschaffen. Dies sollte vorab mit der Versicherung geklärt werden.

(c) Grundsätzlich sollte das Mietfahrzeug der Art Ihres beschädigten Fahrzeugs entsprechen. Bei den Kosten können Ihnen jedoch bis zu 15% ersparte Aufwendungen abgezogen werden (ersparte Pflegekosten, Betriebsstoffe, etc.)

Tip: Dies kann in der Regel dadurch vermieden werden, daß Sie die nächst kleinere Klasse als Mietwagen in Anspruch nehmen.

Für die Berechnung des Nutzungsausfalles hingegen gibt es Tabellen verschiedener Autoren, die die Höhe je nach Fahrzeugtyp pauschalieren. Ein Mittelklassewagen mit guter Ausstattung liegt derzeit bei ca. DM 100,-- täglich. Nutzungsausfall gibt es selbst für Fahrräder mit bis zu DM 10,-- täglich.

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Sachverständigenkosten:

Sofern es sich nicht um einen Bagatellschaden handelt, werden Ihnen die notwendigen Kosten der Begutachtung des Unfallfahrzeuges ersetzt. Die Bagatellarenze liegt bei ca. DM 1500,--.

Den Sachverständigen können Sie selbst bestimmen! Sie sind nicht verpflichtet, das Fahrzeug durch die gegnerische Haftpflichtversicherung begutachten zu lassen.

Sie verstoßen auch nicht gegen die Schadenminderungspflicht, wenn sie trotz einer solchen Begutachtung selbst einen (weiteren) Gutachter beauftragen.

Das Riskio der Richtigkeit und Brauchbarkeit trägt der Schädiger, mit Ausnahme eines offenkundigen Gefälligkeitsgutachtens. Ebenso verhält es sich mit der Höhe der Kosten des Gutachtens, wenn es Für den Geschädigten nicht ohne weiteres erkennbar war, daß über den marktüblichen Sätzen abgerechnet wird.

Dem Verlangen einer Versicherung, das Fahrzeug nachbesichtigen zu können, sollte man nachkommen.

Unterhalb der Bagatellgrenze reicht als Schadensnachweis ein Kostenvoranschlag in jedem Fall aus, dessen Kosten im Fall einer fiktiven Abrechnung der Reparaturkosten vom Schädiger zu ersetzen sind.

Versorgung des Unfallfahrzeuges:

Sie haben ferner Anspruch auf Ersatz der

(a) Abschleppkosten
(b) Standkosten für die Lagerung des Fahrzeuges
(c) Entsorgungskosten im Falle eines Totalschadens
(d) Abmeldekosten der Zulassung
(e) Umbaukosten noch intakter hochwertiger Anlagen (Radio, Freisprecheinrichtung, behindertengerechte Ausstattungen, etc.)

Beschädigte Kleidung/ sonstige Gegenstände:

Auch andere Sachen, die bei einem Unfall beschädigt wurden sind vom Schädiger zu ersetzen.

Bei Kleidungsstücken wird - unter Berücksichtigung des Anschaffungspreises und des Alters - nur der Zeitwert ersetzt. Nur bei Kleidung, die max. eine Woche alt ist und nicht mehr als zweimal getragen, erhalten Sie den Neupreis.

Tip: Auf jeden Fall empfiehlt es sich, für den Nachweis des Anschaffungspreises und des datums sowohl bei hochwertiger Kleidung als auch bei anderen Gegenständen den Rechnungsbeleg aufzubewahren, um nicht willkürlichen Schätzungen der gegnerischen Versicherung ausgesetzt zu sein.

In den seltenen Fällen, in denen eine Reparatur der Kleidung möglich, wird sich der Geschädigte hierauf verweisen lassen müssen.

Für Motorradfahrer wichtig: nach der Ansicht einiger Gerichte dienen Gegenstände wie Sturzhelme und Motorradhandschuhe ausschließlich der Sicherheit des Fahrers und sind mit dem Neuwert zu ersetzen! Auch hier wieder: Kaufbeleg aufbewahren!

Unkosten des Geschädigten:

Der Geschädigte hat Anspruch auf Ersatz der im Zusammenhang mit der Unfallregulierung entstandenen Porti, Telefonkosten, Fahrtkosten, etc.

Diese werden entweder auf Nachweis ersetzt (Fahrtkosten 0,40 DM/km) oder pauschal: in der Regel 40 - 50,-- DM, bei größeren Schäden auch 150-200,-- DM.

Den erforderlichen Zeitaufwand erhält der Geschädigte nicht ersetzt! Die Rechtsprechung vertritt die Ansicht, die Regulierung gehöre zum Pflichtenkreis des Geschädigten.

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Finanzierungskosten:

Grundsätzlich wird dem Geschädigten auch die Pflicht abverlangt, für die Vorfinanzierung des Schadens aufzukommen, außer eigene Mittel sind nicht verfügbar.

Unter ausdrücklichen Hinweis hierauf hat die gegnerische Versicherung den Geschädigten dann entweder von fälligen Rechnungen durch Zahlung eines Vorschusses freizustellen oder die notwendigen Kosten einer Kreditaufnahme zu tragen.

Bei einer Kreditaufnahme bietet sich die Einrichtung eines Unfallsonderkontos an, das üblicherweise jede Bank anbietet. Die Vorteile liegen auf der Hand: durch die Kontoauszüge kann die genaue Abwicklung nachgewiesen werden, ohne daß ein Einblick in die eigenen Finanzen gewährt wird.

Bei größeren Schäden kann der Geschädigte jedoch zur Vermeidung höherer Kreditkosten gehalten sein, die eventuell bestehende eigene Vollkaskoversicherung in Anspruch zu nehmen. In allen anderen Fällen ist er hierzu nicht verpflichtet!

Rückstufung bei der eigenen Versicherung:

(a) Vollkaskoversicherung:

Den Rückstufungsschaden, den der Geschädigte durch die Inanspruchnahme seiner Vollkaskoversicherung erleidet, hat der Schädiger zu tragen. Bei einer Mithaftung unter Berücksichtigung der Quote.

(b) Haftpflichtversicherung:

Den Rückstufungsschaden in der Haftpflichtversicherung erhält der Geschädigte hingegen nicht ersetzt.

Bereits bei der Meldung des Versicherungsfalles werden von der eigenen Versicherung Rückstellungen durch Belastung des Schadensfreiheitsrabattes gebildet. Muß sie dann nicht regulieren, wird diese Maßnahme rückgängig gemacht, anderenfalls nimmt sie ihre alleinige Regulierungsbefugnis nach dem Versicherungsrecht war, die nicht durch den Schädiger veranlaßt ist.

Der Personenschaden:

Wesentlich drastischere Auswirkungen kann ein Verkehrsunfall auf das Leben und die Gesundheit der Beteiligten haben. Durch die folgenden Schadensersatzpositionen versucht die Rechtsprechung, dem Verletzten - leider oft nur unzureichenden - Ausgleich zu verschaffen.

Verantwortlich ist der Schädiger grundsätzlich für körperliche und psychische Primärfolgen des Unfalls, aber auch für erst später entstehende Folge- (Sekundär-) wirkungen.

Heilungskosten:

Zu ersetzen sind alle unfallbedingten, medizinisch gebotenen und auch tatsächlich entstandenen Aufwendungen zur Wiederherstellung der Gesundheit,

•Arztkosten (auch die privatärztliche Behandlung, wenn diese auch üblicherweise in Anspruch genommen wird)
•Krankenhauskosten
•Arzneikosten
•Kosten eines Kuraufenthaltes
•ggf. Kosten einer kosmetischen Operation

Auch folgende Positionen werden als eigener Schaden des Verletzten angesehen:

Besuchskosten der nächsten Angehörigen während des Krankenhausaufenthaltes, sofern sie für die Gesundung medizinisch notwendig sind: Übernachtungs- und Verpflegekosten nur bei Unvermeidbarkeit, Fahrtkosten generell (0,30 €/Km), Babysitterkosten

Bisweilen werden dem Verletzten durch den Krankenhausaufenthalt ersparte Verpflegungskosten in Abzug gebracht (ca. € 10,-- täglich)

Vermehrte Bedürfnisse:

Ebenso sind Nachteile infolge eines erlittenen Dauerschadens zu ersetzen:

•orthopädische Hilfsmittel, z.B. Prothesen
•Kosten einer Pflegekraft oder Haushaltshilfe oder ggf. der Anstaltspflege
•Kosten für einen behindertengerechten Umbau der Wohnung oder eines Kfz
•regelmäßige Kuraufenthalte
•unfallbedingt höhere Kosten einer privaten Krankenversicherung oder Risikozuschläge einer Lebensversicherung
•unfallbedingt höhere Ausbildungskosten

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